DIE MACHT DER GEFÜHLE

Hey meine Lieben,

wie fühlt ihr euch?

-Gut, schlecht, geht so, so lala, sehr gut, so mittel…
Wäre das in etwa eine eurer Antworten gewesen?

Das ist die Antwort der meisten Menschen, die ich nach ihrem Befinden frage. Ich frage nach einem Gefühl und bekomme eine Antwort in der kein Gefühl benannt wird.
Wie viele Menschen kommen von der Arbeit nach Hause, tauschen sich dann mit dem Partner aus oder mit Freunden via Telefon oder im Netz und antworten auf die Frage ‚Wie gehts dir?‘ mit ‚gut‘?
Ein einfaches gut, obwohl es auf Arbeit sicherlich aufregend, stressig, freudig, langweilig, ermüdend, o.ä. war.
So kann sich dieser „gut“ fühlende Mensch tatsächlich müde, genervt, gestresst, fröhlich, entspannt oder wütend fühlen.

Ich merke verstärkt wie wichtig es ist Gefühle zu benennen und auch auszuleben. Besonders auch im Umgang mit meinen Kindern und meinem Mann benenne und lebe ich öfter meine Gefühle. Nur so kann ich in Beziehung zu meinen Liebsten sein, denn nur so kann ich sie wissen lassen, was in mir vorgeht und kann auch bei ihnen erfragen, wie sie sich fühlen und warum.
Bis vor einigen Monaten habe ich zu denjenigen gehört, die mit ‚gut/schlecht/es geht so‘ auf ein ‚wie geht´s dir?‘ reagiert hat. Die Erkenntnis, was Gefühle sind und warum sie so wichtig sind, kam, als ich mich mehr mit meinem eigenen Selbst, meinem Befinden beschäftigt habe, mich ehrlich auch für mich interessiert habe. Ich wollte mich verstehen und stellte fest, dass mir der Wortschatz fehlte präzise Gefühle zu beschreiben. Gefühle anderer konnte ich dementsprechend genauso wenig benennen. Empathische Kommunikation ist nur möglich, wenn ich meine Gefühle und die anderer Menschen erkennen und benennen kann.
Auch mein Mann, unsere Große und die Leute in meinem direkten Umfeld sprachen nicht über ihre Gefühle.
Warum ist das so?
Ich führe dieses Phänomen auf meine Kindheit zurück.
Traurigkeit wurde abgetan mit: „Ach du brauchst doch nicht traurig sein.“
Wut wurde abgetan mit: „Du hast jetzt gar keinen Grund sauer zu sein und zu bocken.“
Lautes, herzhaftes Lachen, wenn Besuch da war wurde unterbunden, weil die Gespräche der Erwachsenen so gestört wurden.
Und wenn kein Besuch da war, dann war lautes Lachen störend, weil die Erwachsenen Ruhe wollten.
Und so kann ich diese Liste der unterdrückten, runtergespielten, nicht gesehenen Gefühle ergänzen.
Das Ergebnis zu dem ich kam, war, dass es einfach nicht ok war, dass ich meine Gefühle auslebe und so verlor ich immer mehr die Verbindung zu mir selbst und schämte mich als Erwachsene, wenn ich wütend oder traurig war, machte mir Gedanken, ob ich mit meinem Lachen andere stören könnte…
Ging es euch so?
Es ist also gar nicht erstaunlich, dass wir unseren emotionalen Zustand versuchen von uns wegzuschieben und unsere Emotionen mit einem ‚gut/schlecht‘ abtun.
Ich erkannte die Wichtigkeit, Gefühle aufrichtig zu benennen und zu zeigen, damit ich glücklich sein kann, damit ich mich selbst liebe und meine Gefühle erlaube.
Ich begann mich mit der Gewaltfreien Kommunikation – GFK – zu befassen.
Der GFK ist zugrunde gelegt, dass jeder Mensch Bedürfnisse und daraus entspringende Gefühle hat. Wir alle gleichen uns darin, dass wir Bedürfnisse haben, sind dadurch verbunden und voneinander abhängig.
In meinem nächsten Artikel werde ich eine Einführung in die GFK geben.
Die GFK ist Teil meines Lebens geworden, es ist ein weiteres Herzensthema und mir ist wichtig euch teil haben zu lassen, denn ich möchte besonders viele Menschen erreichen. Die Auseinandersetzung mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen und der empathische Blick auf uns selbst und unsere Mitmenschen, schafft wahre Verbundenheit, Herzlichkeit und Liebe. Das ist für mich Friedensarbeit.

Ich würde mich sehr über eure Erfahrungen freuen. Wie geht ihr mit Gefühlen um?
Ich wünsche euch einen wundervollen Abend/eine wundervolle Nacht und sage: Bis zum nächsten Mal.

Herzensumarmung,
eure Tina.

One thought on “DIE MACHT DER GEFÜHLE

  1. Na gut, wenn du mich so fragst, hier also meine Sicht auf diese komischen, ähm Gefühle…

    Ich sage oft, mir gehts gut oder so lala, weil ich 1. ein Mann bin 🙂 und 2. Wenn es mein Gegenüber genauer wissen will, wird er/sie schon nachfragen. „Wie gehts dir“ scheint mir oft nur eine kleine Geste der Freundlichkeit, und das reicht mir.

    Meiner Erfahrung nach ist es hilfreich, zwei Dinge auseinanderzuhalten, die nicht zusammengehören:

    1. ICH
    2. DER ANDERE

    Es ist nicht der Job des Anderen (Partner, Verwandter, Freundin) sich um meine Gefühle zu kümmern. Ich kann mich interessieren, ich kann mich austauschen, aber in dem Moment, wo ich erwarte (und diese Erwartung ist oft unbewußt, weil sie aus der Kindheit stammt, da sie dort nicht erfüllt wurde), dass der Andere seine Gefühle offenbart, oder sich für meine interessiert, beginnt das Drama. Denn der Andere kann das gar nicht bringen. Und wird mich solange ent-täuschen müssen, bis ich mich endlich nach innen wende. (Siehe Anhang.)

    Wenn ich also sehe, daß ich von jemandem erwarte, meine Gefühle zu beachten, setze ich mich hin und tue das selbst. Ich kenne keinen anderen Weg zum Glück.

    Also: Meine Wut ist MEINE Wut. Ich kann zwar jemanden anschreien, aber er hat in Wahrheit nichts damit zu tun. Meine Trauer ist MEINE Trauer. Es ist absolut unnötig, daß jemand sie sieht. Ich kann sie ganz allein annehmen und genießen (Ich mag Trauer!). Und meine stille Freude ist so kostbar, das ich nur noch selten davon spreche und wer aufmerksam schaut, sieht sie in den Augen und freut sich mit. Denn am Ende sind es die vielen Worte, das viele Reden, daß uns stumpf macht und wegzieht von unserer feinen Wahrnehmung unserer Gefühle.

    Und je stiller ich selbst bin, umso klarer und direkter kann ich erfassen, wie es dem anderen geht. Das passiert dann ganz von selbst. Da sind dann keine Worte mehr nötig.

    🙂

    Anhang: Ein Mann kriecht suchend auf der Straße vor seinem Haus herum. Ein Nachbar kommt und fragt: Was suchst du denn? Der Mann: Meinen Schlüssel. Der Nachbar: Wo hast du ihn denn das letzte Mal gesehen? Der Mann: Im Haus. Der Nachbar verwundert: Warum suchst dann hier draußen? Und der Mann antwortet: Hier ist es hell. Hier seh ich wenigstens was.

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