Du fragst deine Babytochter, ob du ihr die Windeln wechseln darfst? Wo kommen wir denn da hin, ist doch klar, dass die gewechselt werden müssen, da gibt es keine Diskussionen drüber!

Bildergebnis für respektHey meine Lieben,

ich sitze gerade vor meinem LapTop, während meine 10 Monate junge Tochter auf meinem Rücken im Tuch schläft. Sie atmet ruhig und tief, ist völlig entspannt, zwischendurch höre ich ein Schnarchen. Ich habe die Balkontür geöffnet und frische Luft breitet sich im gesamten Raum aus. Von draußen höre ich leise, rauschende Geräusche, Geräusche des Windes, die Sonne lacht.
Und wie ich hier so sitze, völlig entspannt und friedlich, meiner Tochter lauschend, lausche ich gleichzeitig auch meinen Gedanken.
Und ein Thema, was mich völlig vereinnahmt, ist das Thema Respekt, Toleranz und Akzeptanz. Gegenüber Babys, Kleinkindern, Kindern und Teenagern.

Täglich lese und höre ich, dass ein Erwachsener Mensch will, dass ihm respektvoll begegnet wird. Völlig legitim, finde ich. Gleichzeitig schimpft eben dieser Erwachsene über „die Jugend von heute“. Kennste? Ja, oder?

Respekt, Toleranz und Akzeptanz sind Werte die uns unser Leben lang begleiten. Wir bekommen unsere Werte von unseren Eltern vermittelt. Jedoch ist doch der Punkt der, dass wir erzogen worden sind. Uns wurde beigebracht, antrainiert (würde ich eher sagen), dass MAN respektvoll gegenüber Älteren sein sollte, dass MAN seinen Eltern, Tanten, Onkels gegenüber respektvoll sein sollte. Ja klar, Respekt ist wichtig, MIR ist Respekt wichtig. ABER ALLEN Menschen gegenüber. Warum wurde uns nicht gesagt: „Sei auch tolerant, respektvoll deiner Schwester/deinem Bruder/deinen Freunden/Bekannten/Babys/Jüngeren gegenüber?“ WARUM NICHT? Also ich kann mich nicht entsinnen, dass DAS Thema in meiner Kindheit war. Viel mehr waren es doch Sätze, wie: „Hör auf Oma/Opa, die leben länger, die wissen mehr, die wissen was richtig für dich ist.“ oder … „Hör auf mich, ich bin dein Vater! Wenn ich sage, dass xy, dann ist das so!“ Kennt ihr auch, oder?

Ich bin der festen Überzeugung, dass es an uns Eltern liegt, wie die Generation von morgen „seien wird“. Erziehe ich? Oder bin ich in Beziehung zu meinem Kind? Halse ich meinem Kind Regeln auf? Oder versuche ich bedürfnisorientiert auf es einzugehen? Sage ich meinem Kind, was es darf und was es nicht darf? Oder nehme ich mein Kind ernst, mit all seinen Emotionen und Wünschen?

Die ultimativste Frage ist doch: Gehe ich gerne mit anderen Menschen achtsam und liebevoll um, wenn auch mir so begegnet wird?

Ich sage definitiv und ganz klar, JA! Na klar. Wem gehts denn nicht so? Wenn ich auf dich empathisch eingehe, dann bist du offener für ein Gespräch, oder? Wenn ich wertend und von oben herab mit dir rede, bist du entweder sofort im Kampfmodus oder ziehst dich in die letzte, dunkelste Ecke zurück, oder?

Erinnern wir uns mal an unsere Kindheit zurück, wie oft uns als Kind denn respektvoll, tolerant und mit Akzeptanz begegnet wurde?
Wenn wir nicht kooperativ sein wollten, wenn wir gerade lieber raus gehen wollten, anstatt die Hausaufgaben zu machen, wenn wir gerade lieber TV schauen wollten, anstatt den Tisch fürs Essen zu decken… Wie wurde uns begegnet? … „Wenn du nicht xy, dann yz.“ „Du machst das jetzt, weil es sein muss.“ „Du kannst doch später xy tun, mach mal jetzt yz.“ „Ich mache hier den ganzen Tag und was machst du? Sitzt nur rum/Spielst nur“ Das sind mal einige Reaktionen, die ich Teils selber so kenne, Teils durch Austausch mit anderen Eltern/Freunden gehört habe.

Und dann wird Respekt vom Kind erwartet. Warum sollte das Kind respektvoll sein, wenn mit ihm täglich auf diese Weise gesprochen wird?

Um auf meine Blogüberschrift einzugehen … Ja verdammt, ich frage meine kleine Tochter, ob ich ihr die Windeln wechseln darf, ob ich sie anziehen darf, ob ich sie auf den Arm nehmen darf, ob ich sie absetzen darf, ob ich ihre Ohren sauber machen darf, ob ich ihre Fingernägel schneiden darf. Ja, das mache ich! Und ich mache das gerne und aus vollstem Herzen!

Ich höre gerade schon Gegenargumente, wie: „Deine Tochter ist erst 10 Monate jung. Sie versteht dich doch noch gar nicht/ Sie kann dir doch noch gar nicht antworten.“

Oh doch, das kann sie und wie sie das kann! Jedes Baby kommuniziert auf seine eigene Art und Weise. Meine Tochter sagt zB ‚Ja‘ und lächelt, wenn sie mit etwas, was ich möchte, einverstanden ist. Ihr Nein zeigt sie mir durch Kopfschütteln und von mir wegkrabbeln. Ich finde, ihre Reaktionen sind überaus deutlich und das schon seit ihren ersten Lebenstagen.
Hilfreich finde ich, die selben Sätze/Worte für bestimmte Tätigkeiten zu nutzen.
So frage ich sie „Wollen wir ins Bad, um den Po sauber zu machen?“, wenn ich ihren Po über der Wanne abbrausen will. Will ich ihr eine neue Windel anlegen, zeige ich ihr die Windel, breite sie auf dem Boden/dem Bett aus und frage: „Darf ich dir eine neue Windel ummachen?“ Mag ich sie anziehen, zeige ich ihr die Hose und frage: „Kommst du auf meinen Schoss? Ich würde dir gerne die Hose anziehen, ok Spatz?“ Und entweder ich bekomme ein ja oder nein. Und beides ist auch völlig ok. Ich frage, ob sie einverstanden ist und sie DARF NEIN SAGEN, denn es ist IHR KÖRPER.

Wir haben da als Eltern und Bezugspersonen eine enorme Macht. Ich finde wichtig, diese Macht nur in Gefahrensituationen zu gebrauchen. Wenn es zB um den Schutz meines Kindes geht. Nutze ich meine Macht außerhalb solcher Situationen, dann handle ich hochgradig übergriffig, überschreite die Grenzen meines Babys/Kindes. Das nennt sich dann Gewalt. Und das ist ein absolutes No Go!!!

Respekt, Akzeptanz und Toleranz dürfen, können und sollten wir bereits unseren Babys und Kleinkindern entgegenbringen und damit vorleben. Denn so lernen unsere kleinen Mäuse. Sie lernen durch persönliche Erfahrungen, sie schauen sich Verhaltensweisen von uns Großen ab, sie ahmen nach, sie erleben auf diese Weise die Welt. Wir tragen eine riesen große Verantwortung, denn bei uns beginnt unser Kind zu erleben.  Lasst uns selbst respektable und herzliche Vorbilder für unsere Kinder sein. Dadurch machen wir die Welt von morgen ebenso zu einem respektablen und herzlichen Ort, in dem gegenseitige Fürsorge und Empathie gedeihen können.

In diesem Sinne…. habt einen warmherzigen, fröhlichen und sonnigen Tag miteinander.

Herzensumarmung an euch Herzensmenschen,

eure Tina. <3

9 thoughts on “Du fragst deine Babytochter, ob du ihr die Windeln wechseln darfst? Wo kommen wir denn da hin, ist doch klar, dass die gewechselt werden müssen, da gibt es keine Diskussionen drüber!

  1. Hallo, schöne Gedanken sind das… sehr anregend. Ich bemühe mich…. aber so ganz schaff ich es nicht alle „neins“ zu akzeptieren… was mache ich wenn mein Sohn keine Windel tragen will?? Das übersteigt meine kräfte… ich kann nicht so viel Wäsche waschen… den Teppich schrubben… aufpassen weil er alles anpinkelt… oder er ist EISKALT krabbelt nur mehr auf mir herum WEIL ihm kalt ist aber anziehn…. das möchte er nicht…
    Ich versuche so unerzogen wie möglich mich auf seine bedürfnisse einzulassen…. aber manchmal happert es in der umsetzung. Gibts da praxisnahe tips?
    Liebe Grüße

    1. Hallo Petra,
      ich freue mich, dass du dich bemühst, deinen Sohn achtsam zu behandeln.
      Kannst du nicht so viel Wäsche waschen, oder willst du nicht?
      Kannst du den Teppich nicht schrubben, oder willst du nicht?

      Wie wäre es die Teppiche wegzuräumen? oder eine dicke Decke über den Teppich zu legen, die waschbar wäre?

      Nur weil ein Kind sich eiskalt anfühlt, heißt es nicht, dass dem Kind kalt ist.
      Mein Mann und unsere beiden Kinder, sind oft gefühlt eiskalt, es ist ihnen aber tatsächlich warm. Meine kleine Tochter schläft nachts nur in der Windel und ohne Schlafsack oder Decke, sie strampelt sich alles ab, weil es sie stört und ihr zu schnell heiß wird darunter.

      Wie bietest du deinem Sohn die Windel an? Es liest sich für mich so, als wäre Windeln wechseln und anziehen eher sowas wie ein Kampf, weil er nackig sein will, du ihn aber anziehen magst, damit ihm a) nicht kalt ist und b) die Räumlichkeiten vor Pipi und Kaka geschützt sind.

      Hast du dich schonmal mit ‚windelfrei‘ auseinandergesetzt? Ich versuche auch gerade auf windelfrei mit meiner Tochter umzusteigen, weil sie viel lieber ohne Windel ist. Sagt dir das etwas?

      Kannst du versuchen deinem Sohn zu vertrauen, dass er sich anziehen lassen will, wenn ihm wirklich kalt ist?

      Ich finde ganz wichtig zu versuchen, die Umstände und das drum herum so anzupassen, dass mein Kind so sein kann, wie es das möchte, als zu versuchen mein Kind zu bekehren, damit das drum herum keinen Schaden nimmt.

      Alles Liebe,
      Tina

      1. Danke für die ausführliche Antwort!
        Also ich WILL und ich KANN nicht so viel Wäsche waschen und Teppich schruppen. Ich verwende die meiste Zeit meines Tages für meinen Sohn und der Haushalt hinkt so schon sehr hinterher… was ja gut ist. Hab ich mir so ausgesucht. Die Zeit mit meinem Kind ist das wichtigste für mich. Aber irgendwo miss ich die reißleine ziehn. Er „darf“ oder so gesagt es gibt windelfreie zeiten in denen ich mich bemühe bereit zu sein wenn er dann pipi muss aber das halt ich nicht den ganzen tag durch Meine Gedanken sind dazu das ich auch wichtig bin und ich auch bedürfnisse habe und es doch auch OK ist diese wahr und ernst zu nehmen…. ich begleite und benenne seine Gefühle und nehme die Verantwortung auf mich wenn er dann unglücklich über den Prozess des Windel anziehens ist aber ziehe ihm wenn es für mich nicht mehr passt dann doch die Windel an. Doch frsge ich… hast du gute links? Würde mich schon gern mehr mit windelfrei auseinandersetzen wenn uns das beiden hilft.
        Was das anziehn betrifft. Da bin ich größtenteils gelassen… nur wenn er dann schon krank ist auch noch stoß ich an meine Grenzen. Ich fühle mich Verantwortungslos wenn ich ihn dann nicht anziehe.
        Danke und alles Liebe

        1. Liebe Petra,
          ja, du bist absolut wichtig und wertvoll!!! Dass du zu Kräften kommst, dass du deine Bedürfnisse erfüllst ist absolut wichtig. Nur wenn du glücklich, entspannt und zufrieden bist, gestehst du eben das auch deinem Kind aus vollstem Herzen zu und ihr könnt in Beziehung sein.
          Hast du denn mal Mama-Alleinzeit?
          Es liest sich für mich so, dass du dir ein ausgeglichenes, entspanntes Miteinander wünscht, ein Miteinander, das von Leichtigkeit begleitet ist, ist das so?
          Und ist es auch so, dass du dir dieses Bedürfnis gerade nicht erfüllen kannst, weil du noch einige unerfüllte Bedürfnisse hast, die du dir zu aller erst erfüllen möchtest?
          Ich kenne es von mir selbst, dass wenn ich ausgeruht bin, ich in meiner Kraft bin, sowas wie zusätzliche Wäsche, ein vollgepullerter Teppich oder sonst was völlig nebensächlich für mich sind, weil ich dafür eben Kapazitäten habe. An anderen Tagen, an denen ich einfach mal Zeit für mich bräuchte, bin ich ungeduldig, schnell genervt und will so viel wie möglich Aufwand vermeiden.
          Ist das bei dir auch so?

          Grundsätzlich ist es so, dass bei jeder Entscheidung, die wir treffen, die Haltung entscheidend ist.
          So wie du sagst, du bist dir dessen bewusst, dass du gerade eine Grenze deines Sohnes überschreitest, aber du begleitest ihn in seinem berechtigten Frust und begründest, warum du ihm jetzt eben doch die Windel ummachst.
          In diesem Moment seid ihr dennoch in Beziehung, denn seine Gefühle und auch deine sind in diesem Moment völlig ok und akzeptiert und du lässt ihn mit seinen Gefühlen nicht allein.

          Ich versuche dir heute Abend einige Links zu posten. Jetzt möchte ich die Zeit, in der meine Kleine schläft und die Große sehr beschäftigt mit ihrem Spiel ist, nutzen, um mich etwas von der Nacht auszuruhen.

          Konnte ich dir deine Fragen (abgesehen von den Links zum Thema windelfrei) beantworten? Wie geht es dir mit meinen Worten?

          1. Danke! Deine Antwort fühlt sich angenehm an. Wahrgenommen… ja etwas mehr Zeit für mich wäre schön… andererseits vergeht die Zeit mit Kindern so schnell… bald ist er groß und ich hab wieder zu viel Zeit alllein. Aber du hast recht an ausgeruhten Tagen geht es leichter… Schön finde ich auch das du schreibst die Haltung ist ausschlaggebend.
            Alles gute für dich und deine Familie!

  2. Oh ja, da würde ich auch gern noch näheres erfahren. Zum Beispiel: mein Kleiner (4) sitzt neben mir und ich möchte hier schreiben. Er will das nicht und tippt auf dem Bildschirm herum, pikst mich in die Wange etc.
    „hör bitte auf, das tut mir weh“, hilft nicht.
    Höre ich jetzt auf zu schreiben? Stelle ich alles was ich machen will hintenan und erledige es abends oder, wenn ich zu müde bin, gar nicht?
    Beispiel zwei: er hat Schokolade bekommen, und kommt kauend zu mir, wischt seine Finger an mir ab. Ich sage, „bitte wasch dir die Hände ich möchte gerne, dass es hier sauber ist.“ Er wischt darauf den Mund auch noch an dem weißen Polster ab. Ich sage: „Dann kannst du keine Schokolade mehr kriegen“ und räume sie weg. Macht ausgeübt. Geschrei und Drama.
    Beispiel drei: mein Großer will im Herbst nicht in die Schule gehen, weil er Angst hat, dass er es ohne Mama oder Papa oder großer Schwester nicht vier Stunden dort aushält.
    Zwinge ich ihn dorthin? Wandere ich aus?
    Undsoweiter. Täglich tausende Situationen, in denen ich Macht ausübe. Bin gespannt auf deine Vorschläge 🙂

    1. Hallo Ines,

      Beispiel 1:
      Was ist sein Bedürfnis, wenn er auf deinem Bildschirm tippt und dich piekt? Aufmerksamkeit? Kontakt? Gesehenwerden? Zugehörigkeit? Was könntest du tun, damit sein Bedürfnis erfüllt ist und deines auch? Könnt ihr deine Bedürfnisse nach Austausch, Wissen und Hilfe und seine Bedürfnisse zusammenbringen oder geht das nicht? Kleine Anregung: Fühlt er sich zB zugehörig, wenn er ein eigenes Gerät hat, auf dem er rumtippen kann, während du tippst und kannst du auf diese Weise für den Moment hier schreiben?
      Wenn ihr keinen Weg findet, dann ist das eben so. Dann würde ich schauen, wer eher das Verständnis dafür hat, dass sein Bedürfnis jetzt gerade nicht erfüllt werden kann. Wer kann hier sein Bedürfnis auf später verschieben und wer kann es nicht?

      Beispiel 2:
      Hab ein Tuch bei dir und biete ihm das zum abwischen an, wenn er zu dir kommt.
      „Dann kannst du keine Schokolade mehr kriegen“ ist Erziehung. Das ist Bestrafung, eine Methode um ein bestimmtes Verhalten herbeizuführen.
      Du könntest auch fragen, ob er anstatt der Schokolade etwas anderes Süßes möchte.

      Beispiel 3:
      Zwang ist für mich nie die Lösung.
      Ich würde mit meinem Kind besprechen, was genau ihm Angst macht und schauen, wie ich durch die Angst begleiten kann, was ich tun kann, um zu helfen.
      Auswandern ist natürlich eine Möglichkeit, der Schule aus dem Weg zu gehen.
      Welche Schulform hat denn die Schule, auf die er geht?
      Habt ihr ihn bisher selbst betreut oder ist er in den Kindergarten gegangen?

  3. Hallo Tina,
    Ich beschäftige mich erst seit ein paar Tagen mit unerzogen leben, finde es sehr spannend und möchte mehr erfahren!!
    Hast du eventuell Buch-Tipps für mich?
    Danke und VG!
    Andrea

    1. Hallo Andrea,

      ich freue mich sehr, dich mit auf der Unerzogen-Reise zu wissen.
      Ja, gerne.
      Ich empfehle dir
      1. Das Buch der Kinder – von Osho
      2. JETZT! Die Kraft der Gegenwart – von Eckhart Tolle
      3. Liebe und Eigenständigkeit – von Alfie Kohn

      Ich wünsch Dir alles Liebe auf deinem Weg,

      liebste Grüße, Tina

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