Erziehung – Was für ein Irrtum!!!

Bildergebnis für AufgepasstHey meine Lieben,

ich habe das dringende Bedürfnis mich mitzuteilen, denn ich bin erstaunt und gleichzeitig erschrocken, welches Bild Unerzogen auf viele Menschen hat.

Ich lese, dass Unerzogene ‚Menschen des Mittelpunktes‘ werden, dass sie sich keinen Regeln und Grenzen unterordnen können, dass sie später Probleme haben werden, dass sie lernen müssen sich anzupassen, …. etc.

Ähm, ganz ehrlich. Nein! Das ist einfach nicht so.

Ich erzähl euch jetzt mal etwas. Ich wurde erzogen, nach allen Regeln der Kunst. Ich habe sowohl körperliche, als auch seelische Gewalt erfahren. Ich wurde gelobt und gestraft, mir wurde gesagt, wie ich was zu machen habe und was nicht. Mir wurde beigebracht, dass bestimmte Dinge einfach sein müssen, und dass ich nicht immer haben kann was ich will. Ich wurde geformt, ich wurde begrenzt und ich durfte nicht ich selbst sein. Erziehung ist pure Gewalt. Ich wurde angebrüllt, ich wurde mit einem Gürtel geschlagen, ich wurde in eine Ecke gestellt und somit sowas von gedemütigt. Ich wurde in so vielem beschränkt, was mir wichtig war…. und ich stand auch da und sagte: Ey, meine Kindheit war zu einem gewissen Teil super schön und zu einem anderen Teil kacke, aber das was ich erlebt habe hat mir nicht geschadet, sondern mich auf die Zukunft vorbereitet. Ich habe das mal so gesagt, ja und ich habe auch so gelebt.

Was klar für mich war, war, dass ich meine Kinder niemals schlagen werde. Aber ich war mir dessen lange nicht bewusst, dass auch psychische Gewalt existiert. Diese Gewalt ist jedes Mal dann erkennbar gewesen, wenn meine persönlichen Grenzen missachtet wurden, wenn ich etwas tun musste, weil es jemand anderes wollte, wenn von mir Dinge verlangt wurden, die ich noch gar nicht aufbringen konnte.

Als ich 13 Jahre jung war, trennten sich meine Eltern und mein Vater gab MIR die Schuld daran. Denn ich war diejenige, die in einer Unterhaltung mit ihrer Mama sagte, dass es ok für mich ist, wenn meine Eltern sich trennen würden, mit der Begründung, dass ich nicht wollte, dass jemand leidet und sich in einer Beziehung quält, in der keine Liebe mehr existiert. Es war pure Gewalt mir die Schuld daran zu geben und es war auch pure Gewalt mir das 1 Jahr lang wöchentlich einzureden. Es war Gewalt. Es war grenzüberschreitend und es war verantwortungslos. Und ich hatte eine so riesige Angst nicht geliebt zu werden, dass ich geschwiegen habe. Ich erzählte meiner Mama nichts von den körperlichen und seelischen Übergriffen die ich erlitt, und verfiel stattdessen in eine schwere Depression.

Das war die Erziehung, die mir im Gedächtnis geblieben ist. Das, und die ständigen Streitigkeiten meiner Eltern, ach und noch vieles mehr.

Und jetzt mal ehrlich .. „nur“ weil jemand keine körperliche Gewalt zu Hause erlebt, sondern „nur“ Regeln, Grenzen, Bestrafungen, Ansprüchen und co ausgesetzt, ist das keine Gewalt? Ach nein? Ich sage: Und ob!

Falls gerade jemand mitliest, der überzeugt ist, dass Erziehung wichtig ist… Ja mach das, das ist wirklich völlig ok, ich will dich nicht bekehren, ich will dich nicht ändern. Du bist ok so wie du bist. Ich frage dich aber: Wie fühlst du dich, wenn ich dir sage, wann du ins Bett zu gehen hast? Wie fühlst du dich, wenn ich dir vorschreibe, dass du aufs Klo gehen sollst? Wie fühlt es sich an, wenn ich dir sage, du sollst jetzt den Abwasch machen, weil ich finde, dass das jetzt sein muss? Wie fühlt es sich an, wenn ich dir sage: Wenn du dich jetzt nicht sofort umziehst, darfst du heute eben keine Süßigkeiten haben? Merkst du, was ich meine? Ich das angenehm für dich? Oder fragst du dich eher, mit welchem Recht ich dir auf diese Weise begegne? Jap…. das frage ich mich auch. Mit welchem Recht bin ich mal so unserer Großen begegnet? Mit welchem Recht begegnet ihr euren Kindern so?

So .. und als ich dann erkannte, wie kacke das ist, was mir passiert ist und wie schrecklich es ist, dass ich das Selbe jetzt anderen Menschen antue, stellte ich fest, dass ich eine scheiß Angst habe. Angst davor, loszulassen, was ich kenne, loszulassen wer ich zu sein scheine, loszulassen und zu erkennen, dass ich mich eigentlich gar nicht kenne und mich erstmal neu kennenlernen muss. Es ist echt soooooo schwer. Es ist verdammt hart. Aber ich sag euch jetzt mal was. Ich lebe erst ca 1 Jahr Unerzogen und ich war nie glücklicher, als ich es jetzt bin. Ich bin ich, ich fühle mich frei, ich fühle mich von mir selbst geliebt und deswegen bin ich bereit andere so zu sehen und zu akzeptieren, wie sie sind, sie so zu lieben. Die Liebe lebt und ich wünsche mir das für JEDEN Einzelnen von euch.

Ich wünsche euch die Erkenntnis darüber, dass eure Kinder keine künstlich erschaffenen Grenzen brauchen und dass sie sich sehr wohl anpassen können, wenn es zeitweise gewünscht wird. Ich wünsche euch, dass ihr erkennt, dass Menschen, die sie selbst sein können, die mit ihren PERSÖNLICHEN Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen gesehen werden, auch Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen anderer Menschen wahren WOLLEN und nicht nur können, weil ein Anderer es ihnen vorschreibt.

Kinder sind ein Geschenk. Du bist ein Geschenk. Wir sind alle wertvoll und haben es verdient, dass mit uns achtsam und respektvoll umgegangen wird. Deswegen lade ich euch dazu ein, mit allen anderen Menschen, euren Kindern, anderen Erwachsenen, egal wem, eben genau so umzugehen, wie ihr wollt, dass auch euch begegnet wird. Öffnet bitte eure Herzen, auch für Wege, die ihr nicht kennt. Erforscht, wie eure kleinen Kinder, neugierig und mit offenem Geist die Welt mit all ihrer Schönheit, ihrer Individualität. Verbindet euch!

 

In diesem Sinne, alles Liebe und eine Herzensumarmung von mir,

Kuss, Tina. <3

One thought on “Erziehung – Was für ein Irrtum!!!

  1. Danke für diesen tollen Text.
    Ich war auch bei der Diskussion dabei und ich kann es überhaupt nicht verstehen, wieso man davon ausgeht, dass ein Kind das sein darf, unsozial wird.
    Es hat doch gar keinen Grund sich gegen die Eltern zu stellen oder zu rebellieren.

    Ja ich wurde auch extrem erzogen und es hat mir extrem geschadet.
    Ich wurde ( nach der Scheidung meiner Eltern, da war ich 11) von meiner Mutter, die übrigens Erzieherin ist, eingesperrt in meinem Zimmer, bekam einen Eimer als Klo! Wurde mehrfach ins Gesicht geschlagen, wurde in der Wohnung eingesperrt, wurde als schreckliches Kind bezichtigt, das sie mit mir nicht klar kommt und deshalb so krasse Sachen mit mir machen muss. Damit ich lerne wer hier das sagen hat. Damit ich lerne wie das Leben so läuft…

    Ich bin mit 15 zum Jugendamt und hab gesagt ich gehe nicht mehr nach Hause! Ich wusste mir nicht mehr zu Helfen, ich wurde nicht gesehen und nicht verstanden. An mir wurde nur versucht rum zu erziehen. Mit Strafen, Demütigungen und Konsequenzen.

    Gebracht hat es nix! Ich wurde zum Punk ich wurde zur Anarchistin, ich machte gar nix mehr was von mir verlangt wurde. Ich wehrte mich gegen das System der Unterdrückung. Das für mich rein gar nix mit liebe zu tun hat.

    Bis heute, wird mir gesagt, ich wäre ja mit schuld daran, wie es gelaufen ist. Ich hätte mich nicht anpassen können ich wäre unerträglich in der Pupertät geworden…
    Tja da hat Erziehung wohl versagt.

    Ich möchte gerne mal von einem Erwachsenen unterzogenen hören, dass er sich Erziehung gewünscht hätte. Ich glaube das wird man nicht hören.
    Vielmehr hört man nur von Erzogenen Erwachsenen, die ihre Erziehung als ungerecht und falsch empfunden haben. Und die sich eine Beziehung zu ihren Eltern wünschen.

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